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04.03.2017 17:25 Alter: 25 Tage

Afrikaner sattelt bei SSG um aufs Mountainbike

Kategorie: Radsport
Abteilung Radsport

Namibias Straßenmeister Till Drobisch hat sich der Radsport-Abteilung angeschlossen

Till Drobisch wohnt seit geraumer Zeit in Deutschland, seit Anfang des Jahres ist er Mitglied in der Radsportabteilung der SSG Bensheim. Seine Heimat ist indes - darauf lässt sein Name nicht sofort schließen - in Afrika. In Namibia ist er mehrfacher nationaler Meister im Straßenradrennen und Zeitfahren. Anfang Februar hat er in Windhoek, der Hauptstadt des Staates im südlichen Afrika, erneut beide Titel abgeräumt. Dennoch hat der (seit vorgestern) 24-Jährige vorerst genug von Radrennen auf der Straße. Fünf Jahre war er als Profi in Teams der zweiten und dritten Kategorie unterwegs. Nun ist Schluss damit.

Das Leben als Radprofi ist ziemlich hart, sagt er. Täglich fünf bis sechs Stunden Training, überschaubarer Verdienst, wenig Aussichten auf internationale Siege. "Man fragt sich irgendwann: Wofür?", schildert Drobisch seine Gedankengänge, die ihn dazu bewogen, das Rennrad gegen das Mountainbike einzutauschen. Für das Nachwuchsteam des südafrikanischen Profi-Rennstall MTN schlug Till Drobisch von 2012 bis 2014 auf. Das ermöglichten dem jungen Mann einige Starts bei renommierten Wettbewerben, die für ihn meist ernüchternd endeten. "Da kommt dann ein Tour-Starter und gewinnt. Für dich geht es nur darum, irgendwie das Ziel zu erreichen. Das ist mir zu wenig." Die Folge: Mehr Frust statt Lust.

Zu dieser sportlichen Unzufriedenheit gesellte sich sein Verlangen nach mehr intellektuellem Input. "Mein Kopf war irgendwie leer, die geistige Herausforderung hat mir gefehlt." Till entschloss sich, seinem beruflichen und sportlichen Leben eine neue Ausrichtung zu geben. Mountainbike und Studium sind die neuen Eckpfeiler. In diesem Jahr will er ein Studium der Sportwissenschaften in Frankfurt aufnehmen. Das Abitur hat er an einer deutschen Privatschule in Windhoek abgelegt.

Wie viele junge Namibier, die zum Studium nach Südafrika oder Europa gehen, verlässt er sein Geburtsland, um in den nächsten Jahren in Deutschland die Weichen für seine Zukunft zu stellen. Ein endgültiger Abschied? Wohl eher nicht. Gerade ist Till von einem Aufenthalt in Windhoek nach Rödermark zurückgekehrt, wo er seit geraumer Zeit wohnt - mit frischen, tiefen Gefühlen für Namibia. "Das ist meine Heimat." Vor diesem Trip habe er dazu tendiert, sich ganz in Deutschland niederzulassen, nun hat sich seine Perspektive wieder etwas verändert.

Neue Ideen seien in Namibia mit seinen rund 2,1 Millionen Einwohnern leichter umzusetzen als in Deutschland, meint Till. "Hier hat man den Eindruck, es gibt schon alles." Da in Namibia, das in hohem Maße vom Tourismus lebt, das Mountainbiken immer mehr Zuspruch erfährt, kann er sich vorstellen, auf Basis seines sportlichen Hintergrundes und eines abgeschlossenen Studiums, im Bereich Tourismus/Mountainbike etwas aufzubauen.

Das Leben in Deutschland ist für Till Drobisch keine große Umstellung. "Ich bin deutsch erzogen worden und kenne die deutschen Traditionen." Sein Vater stammt aus Deutschland und wanderte vor knapp drei Jahrzehnten nach Namibia aus, das von 1884 bis 1915 sogenanntes "Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika" dann deutsche Kolonie war. Tills Mutter, die Tochter eines Deutschen, ist in Namibia geboren. Zu Hause bei den Drobischs wird deutsch gesprochen. Till, der neben der namibischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, beherrscht zudem Englisch, die Amtssprache in Namibia, und Afrikaans fließend. Dazu ein bisschen Französisch ("Verstehen gut, sprechen nicht so gut.").

Zum Radsport ist er im Alter von neun Jahren durch den Einfluss seines zwei Jahre älteren Bruders gekommen. "Ich habe meinem Bruder alles nachgemacht." Über Verbindungen in der Radsportszene knüpfte er Kontakte zum "Öffnet externen Link in neuem Fenster360 Racing Team" in Rödermark. Der Rennstall pflegt eine Kooperation mit der Radsportabteilung der SSG Bensheim. Deren Mountainbike-Spezialist Sascha Starker fährt für das "Öffnet externen Link in neuem Fenster360 Racing Team". Nachdem Till sich dieser Crew angeschlossen hatte, war der Weg zum Bensheimer Verein vorgezeichnet. "Man braucht einen Verein, und die SSG Bensheim hat sich für mich angeboten."

Bensheim und Umgebung kennt Till Drobisch von mehreren Trainingsfahrten. Was ihn in sportlicher Hinsicht auf dem Mountainbike erwartet, kann er derzeit nicht abschätzen. Er hat in der Vergangenheit in Namibia einige Offroad-Wettkämpfe bestritten - jetzt gilt es, Studium, den Nebenjob in einem Radladen und Sport zu koordinieren. "Mal sehen, wie das klappt."

Mit dem Umstieg auf das Mountainbike rücken für Till, der im Junioren- und U-23-Alter Berufungen in die namibische Nationalmannschaft erhielt, neue sportliche Optionen ins Visier. In diesem Jahr kann für ihn die Teilnahme bei der Mountainbike-WM in Singen drin sein. Namibia stehen voraussichtlich ein oder zwei Startplätze zu. Die WM-Qualifikation ist zudem über gute Resultate zu erreichen. Und dann schwirren Till Drobisch noch die Olympischen Ringe durch den Kopf. "Tokio 2020 ist mein großes Ziel."

© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 04.03.2017

Bilder: ©Radsport360 Racing Team

Willkommen bei der SSG-Radsportabteilung


Die Radsportabteilung der SSG Bensheim wurde 1984 gegründet und zählt mittlerweile über 100 aktive Mitglieder. Die Abteilung, aus der mittlerweile einige erfolgreiche Radrennfahrer hervorgegangen sind, deckt vom Seniorenfahrer bis hin zum Nachwuchsfahrer ein breites Spektrum ab. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Jugendförderung und dem Wecken der Begeisterung für den Radsport bei Kindern und Jugendlichen. Außerdem richtet die Abteilung seit einigen Jahren erfolgreich Radrennen aus, insbesondere den GGEW Grand Prix Cross, der zur Deutschland Cup Serie im Radcross zählt.

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